Das ist die ursprüngliche Version des Textes. Wenn Du willst, kannst Du aber auch zu einer englischen Übersetzung wechseln.

Die Party Verfasser:
Jochen Kugele

Am Ende des ersten Tages der Convention rief der Ansager von der Bühne: "Kommt Ihr alle auf die Party heute Abend?" und die Trekker riefen alle brav "ja". Der große Nepp konnte seinen Lauf nehmen.

Le Palais In bester Laune ging ich also abends zum Hammersmith Le Palais, die Edeldisco, in der die Party stattfand und bekam schon an der Einganstür den ersten Schock: Wo waren die Trekker? Alles was ich sah war eine 30m lange Schlange mit ca. 18jährigen halbstarken Mofarockern. Gegenüber des Eingangs standen etwa genausoviele Jugendliche, die, wie ich vermute, noch nicht alt genug waren , um in den Club hereingelassen zu werden. Von Star Trek war jedenfalls weit und breit nichts zu sehen, weder ein mickriges Plakat, noch ein Fan in Starfleet Uniform. Glücklicherweise akzeptierte der Türsteher meine Eintrittskarte, die ich schon in Deutschland bestellt hatte (12,50£).

So trat ich also in das wunderbare Saturday Night Life ein . Doch als ich auf die Tanzfläche schaute, war ich doch wieder überrascht: Wo waren die Trekker? Wo waren die ganzen Leute, die nur noch wenige Stunden zuvor die Frage des Ansagers bejaht hatten? Wunderschöne, spärlich bekleidete Mädchen tanzten. Ein schöner Anblick, doch was hatte das mit einer Star Trek Party zu tun. War ich etwa falsch oder einen Tag zu früh? Weder noch! Ich war leider doch richtig.


Die ganze Trekgemeinde befand sich auf der Gallerie, von der aus man einen guten Überblick auf das Geschehen hatte. Die meisten saßen nur gelangweilt herum.Fast keiner tanzte. Das Discogestampfe konnte auch sie nicht begeistern. Wenigstens wußte ich nun, daß ich mit meinen Gefühlen nicht alleine war: Diese Party war arm! Für mich war dieses Fest eine weitere große Abzockerei auf Kosten des Star Trek Booms. Vom Veranstalter hätten ein paar Impulse kommen müssen, und nicht nur Discomusik wie sie sicherlich an jedem Samstag dort läuft und nur dazu dient, das Stammpublikum zu befriedigen. Die Fans hatten ihre Pflicht getan und waren größtenteils in Uniform oder anderem Star Trek gemäßen Kostüm erschinen. Was bringt es aber, wenn zahlenmäßig auf jeden Trekker zwei "gewöhnliche" Jugendliche kommen, die einfach am Wochenende in ihrer Stammdisco abtanzen möchten? Eine Partystimmung kann doch so nie aufkommen.

Deshalb sind hier meine naiven Verbesserungsvorschläge an die Veranstalter (sollten sie diese Seite jemals lesen):
  • Geht nächstes Jahr in eine Disco, die nur ein Viertel so groß ist wie das Le Palais.
  • Spielt mindestens einmal pro Stunde einen Titel, der mit Star Trek etwas zu tun hat.
  • Laßt an diesem Abend nur Leute rein, die auch auf der Convention waren.
  • Laßt die Stars in ihrem Hotel und mißbraucht sie nicht als Lockvögel (Wo war eigentlich das kostenlose Geschenk, das auf der Eintrittskarte -JPG,82k versprochen wurde).
the Stars Und abschließend noch zu einem Thema, das mich an diesem Abend auch noch besonders enttäuscht hat: Die Stars!

Als ich auf die Party kam, waren Jennifer Lien, Ethan Phillips und Robert Picardo anwesend. Avery Brooks war schon wieder gegangen. Die drei waren abgeschottet in der V.I.P.-Lounge des Le Palais und gaben Fernsehinterviews. In der Stunde, in der ich zusammen mit ca.20 anderen Trekkern vor dem verglasten Raum wartete, schaffte es keiner der drei auch nur einen Blick nach draußen zu den Fans zu werfen. Total enttäuscht war ich dann aber, als Jennifer Lien und kurz darauf Ethan Phillips die V.I.P.-Lounge verließen und hektisch an den wartenden Fans vorbeihuschten, denn auch hier waren wir keinen ihrer Blicke würdig. Das ist der Hammer!

Robert Picardo Jennifer und Ethan, was glaubt Ihr eigentlich, wer Ihr seid? Michael Jackson? Der Papst? Q? Was denkt Ihr denn, was die bösen, fanatischen Fans mit Euch gemacht hätten, wenn Ihr kurz gewunken hättet? Was meint Ihr, wäre passiert, wenn Ihr zu uns kurz herübergekommen wärt und ein paar Worte gewechselt hättet? Natürlich ist ein Interview mit dem SciFi-Channel cooler, als eine Erstkontakt-Situation mit 20 verschwitzten Trekkern, aber wenn Ihr so bockig seid, dann bleibt doch das nächste Mal zu Hause! Zum Glück zeigte wenigstens Robert Picardo die nötige Professionalität und gab Autogramme, als er die V.I.P.-Lounge verließ, was ihm am nächsten Tag auch bei der Convention von den Fans gedankt wurde.

Jochen Kugele, April 1996.